Überblick zur spanischen Mehrwertsteuer-Compliance 2026 — Kurzfassung
Spanien betreibt eines der strengsten Mehrwertsteuersysteme der EU. SII (Suministro Inmediato de Información) verlangt die nahezu in Echtzeit erfolgende Übermittlung der Rechnungsbücher an die AEAT innerhalb von 4 Kalendertagen, verpflichtend seit 2017 für Steuerpflichtige mit einem Umsatz über 6.010.121,04 €, REDEME-Mitglieder und Mehrwertsteuergruppen. Facturae-XML 3.2.2 bleibt das strukturierte Format für die verpflichtende B2G-E-Rechnung, die über FACe geleitet wird. Die große Neuerung 2026 ist Verifactu (Königliches Dekret 1007/2023): Jede Rechnungssoftware muss unveränderliche Aufzeichnungen, verkettete Hashwerte und QR-Codes implementieren — verpflichtend ab 1. Januar 2026 für Körperschaftsteuerpflichtige und 1. Juli 2026 für Selbstständige. Gleichzeitig erweitert das Crea-y-Crece-Gesetz (Ley 18/2022) die verpflichtende E-Rechnung schrittweise auf alle B2B-Transaktionen. Es gelten vier IVA-Sätze: 21 % Regelsatz, 10 % ermäßigt, 4 % stark ermäßigt, 0 % Nullsatz. Sanktionen nach Artikel 200 LGT belaufen sich bei SII-Nichteinreichung auf 300-6.000 € pro Quartal.
Die spanische Mehrwertsteuer-Compliance-Landschaft 2026 im Überblick
Nur wenige europäische Länder schichten so viele Compliance-Systeme übereinander wie Spanien. Die folgenden Karten fassen die sechs in diesem Leitfaden behandelten Compliance-Säulen zusammen — halten Sie sie beim Lesen der einzelnen Vertiefungsabschnitte griffbereit.
SII — Suministro Inmediato de Información
Verpflichtend seit 1. Juli 2017 · Echtzeit-Mehrwertsteuerbücher an die AEAT · 4-Tage-Fenster · SOAP-Webdienste
Facturae — strukturierte XML-E-Rechnung
Version 3.2.2 / 3.2.2.1 · Verpflichtend für B2G seit Ley 25/2013 · Geleitet über das FACe-Portal · XAdES-signiert
Verifactu — Betrugsbekämpfungssystem nach RD 1007/2023
Verpflichtende Zertifizierung der Rechnungssoftware · Unveränderliche Aufzeichnungen · Verkettete Hashwerte · QR auf jeder Rechnung
AEAT — Agencia Estatal de Administración Tributaria
Nationale Steuerbehörde · Betreibt SII, Verifactu und Sede Electrónica · Gleicht SII mit Modelo 303/390 ab
IVA — Impuesto sobre el Valor Añadido
Vier Sätze: 21 % / 10 % / 4 % / 0 % · Kanarische Inseln IGIC 7 % · Ceuta & Melilla IPSI
RECC — Régimen Especial del Criterio de Caja
Mehrwertsteuer-Sonderregelung nach dem Ist-Prinzip · Verfügbar unter 2 Mio. € Umsatz · Verschiebt die Steuerschuld auf das Zahlungsdatum
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1. SII — Suministro Inmediato de Información (Echtzeit-Mehrwertsteuer)
SII im Überblick
SII (Suministro Inmediato de Información) ist das Herzstück der spanischen Mehrwertsteuer-Compliance. Gestartet am 1. Juli 2017 gemäß Königlichem Dekret 596/2016, ersetzt es die frühere vierteljährliche Modelo-340-Buchmeldung durch die nahezu in Echtzeit erfolgende Übermittlung der Mehrwertsteuerbücher direkt an die AEAT über SOAP-Webdienste. Spanien war einer der ersten EU-Mitgliedstaaten, der umsetzte, was die Europäische Kommission heute „Digital Reporting Requirements“ nennt — ein Modell, das später von Ungarns RTIR, Italiens SdI und Portugals SAF-T PT übernommen wurde.
Die ursprüngliche Einführung 2017 richtete sich an rund 62.000 große Steuerpflichtige: Unternehmen mit einem Umsatz über 6.010.121,04 €, im REDEME eingetragene Unternehmen, Mehrwertsteuergruppen und bestimmte öffentliche Verwaltungen. Andere Steuerpflichtige können freiwillig beitreten, indem sie bis zum vorherigen November das Modelo 036 einreichen. Die AEAT gleicht SII-Meldungen mit dem vierteljährlichen Modelo 303 und dem jährlichen Modelo 390 ab — Abweichungen lösen innerhalb weniger Tage automatisierte „requerimientos“ (Anfragen) aus.
Die vier über SII gemeldeten Register
SII konsolidiert vier separate Mehrwertsteuerbücher, die zuvor für Prüfungen rekonstruiert werden mussten:
- Libro Registro de Facturas Expedidas — ausgestellte Rechnungen (Verkäufe)
- Libro Registro de Facturas Recibidas — erhaltene Rechnungen (Einkäufe)
- Libro Registro de Bienes de Inversión — Register der Investitionsgüter
- Libro Registro de Determinadas Operaciones Intracomunitarias — innergemeinschaftliche Umsätze
SII-Übermittlungsfristen 2026
Das Übermittlungsfenster gehört zu den strengsten in der EU. Die offiziellen, seit 2018 in der Verordnung HFP/417/2017 konsolidierten Fristen sind:
Wichtig: Die 4-Tage-Zählung schließt Samstage, Sonntage und nationale Feiertage aus. Die AEAT veröffentlicht jedes Jahr den offiziellen Kalender auf ihrem Portal Sede Electrónica.
Freiwilliger SII-Beitritt
Steuerpflichtige unterhalb der Schwellenwerte können freiwillig dem SII beitreten, indem sie im November des Vorjahres das Modelo 036 einreichen. Der Vorteil: vierteljährliche Informationserklärungen (Modelo 347, 390) entfallen, und die Erstattungszyklen beschleunigen sich über REDEME von vierteljährlich auf monatlich — ein erheblicher Vorteil für das Working Capital.
💡 Lesen Sie den vollständigen SII-Integrationsleitfaden
Vertiefung zu SOAP-WSDL, Fehlercode-Bibliothek, REDEME-Anmeldung, dem 4-Tage-Kalender und dem 10-minütigen Zunapro-Verbindungsablauf.
2. Facturae — strukturierte XML-E-Rechnung, verpflichtend für B2G
Die Ursprünge von Facturae
Facturae ist das spanische XML-Schema für strukturierte elektronische Rechnungen, gemeinsam entwickelt vom Ministerio de Hacienda und dem Ministerio de Industria ab 2007. Das Schema hat sich über die Versionen 3.0, 3.1, 3.2, 3.2.1 bis zur aktuellen Version 3.2.2 / 3.2.2.1 weiterentwickelt, die 2026 im Einsatz ist. Facturae ist älter als die EU-Norm EN 16931, ist aber über dokumentierte Mappings interoperabel.
Der entscheidende Meilenstein war das Gesetz 25/2013 zur Förderung der elektronischen Rechnung, das Facturae für Rechnungen an spanische öffentliche Verwaltungen über 5.000 € verpflichtend machte — in der Praxis führten es alle öffentlichen Stellen für jeden Betrag ein.
FACe — der öffentliche Eingangspunkt
FACe (Punto General de Entrada de Facturas Electrónicas), betrieben vom Ministerium für digitale Transformation, ist der zentrale Eingangspunkt für Rechnungen an den spanischen öffentlichen Sektor. Lieferanten laden Facturae-XML-Dateien hoch, die mit einem qualifizierten Zertifikat mittels XAdES (XML Advanced Electronic Signature) in der Variante EPES oder T signiert sind. Jede Rechnung trägt drei identifizierende DIR3-Codes:
- Oficina contable — das die Rechnung erfassende Buchhaltungsamt
- Órgano gestor — die für die Beschaffung zuständige Verwaltungsstelle
- Unidad tramitadora — die den Lieferanten bearbeitende Stelle
FACe liefert standardisierte Statusaktualisierungen zurück — registriert, validiert, verbucht, bezahlt, abgelehnt — über das Webportal oder die HTTPS-REST-API. Regionale Verwaltungen betreiben eigene Äquivalente (FACeB2B, e-FACT in Katalonien), die mit FACe interoperabel sind.
Facturae-Status 2026
Facturae 3.2.2 bleibt 2026 die produktive Version. Die nächste Weiterentwicklung — Facturae 4.0 — befindet sich im Entwurf und soll vollständig an EN 16931 angeglichen werden und Crea y Crece unterstützen. Der Verifactu-QR-Code der AEAT wird ab 2026 zu einer verpflichtenden Ergänzung jeder B2B-Facturae-Rechnung.
Gestaffelte B2B-Pflicht (Ley Crea y Crece)
Das im September 2022 verabschiedete Gesetz 18/2022 „Crea y Crece“ („Gründen und Wachsen“) hat einen breiteren Anwendungsbereich als die E-Rechnung — es umfasst auch Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit 1 € Stammkapital und Beschränkungen bei kommerziellen Zahlungsfristen. Doch sein Artikel 12 — „Factura electrónica entre empresarios y profesionales“ — ist die am meisten beachtete spanische digitale Mehrwertsteuermaßnahme des Jahrzehnts der EU-Kommission.
Artikel 12 legt den Grundsatz fest: Jede Rechnung zwischen spanischen Unternehmen und Selbstständigen muss in strukturiertem elektronischem Format ausgestellt werden, mit verpflichtenden Statusmitteilungen an den Aussteller zurück, wenn die Rechnung angenommen, abgelehnt oder bezahlt wird.
Der gestaffelte Zeitplan
Das ausführende Königliche Dekret legt den Einführungszeitplan anhand der seit Inkrafttreten der technischen Regelung verstrichenen Zeit fest:
- +12 Monate — große Steuerpflichtige (Umsatz > 8 Mio. €) müssen E-Rechnungen ausstellen und empfangen
- +24 Monate — alle anderen Unternehmen und Selbstständigen müssen die Vorgaben erfüllen
- +36 Monate — vollständige Statusmitteilungspflicht (Annahme / Ablehnung / Zahlung)
Akzeptierte Formate und die öffentliche Lösung
Das Königliche Dekret öffnet den Rahmen für vier mit EN 16931 kompatible strukturierte Formate:
- Facturae 3.2.2 / 3.2.2.1 — spanisches nationales Format
- UBL 2.1 — OASIS-Standard, verbreitet in den nordischen Ländern
- CII 16B — UN/CEFACT Cross Industry Invoice
- EDIFACT — Legacy-EDI, für die Abwärtskompatibilität unterstützt
Es gibt zwei Wege: die „solución pública“ (kostenloser öffentlicher Hub der AEAT) und private „plataformas privadas acreditadas“. Alle privaten Plattformen müssen Rechnungen und Statusereignisse in Echtzeit an die öffentliche Lösung spiegeln.
Was Crea y Crece für Marktplatzverkäufer bedeutet
Jeder Verkäufer, der spanische Geschäftskunden in Rechnung stellt, muss ein konformes E-Rechnungsformat und einen entsprechenden Übermittlungsweg einführen. B2C-Bestellungen bleiben außerhalb von Crea y Crece — sie werden von Verifactu und SII abgedeckt. Verkäufer mit sowohl B2B- als auch B2C-Geschäft (Büromaterial, IT, Industrie, Dienstleistungen) benötigen einen Stack, der Facturae für B2B und Verifactu-gekennzeichnete vereinfachte Rechnungen für B2C erzeugt.
📑 Lesen Sie den vollständigen Crea-y-Crece-Integrationsleitfaden
Technische Regelung des Königlichen Dekrets, Format-Mapping (Facturae / UBL / CII), Routing über die öffentliche Lösung vs. private Plattform und der Ablauf der Statusmitteilungen.
3. AEAT-Integration — Sede Electrónica, digitale Zertifikate, Modelos
Die AEAT und die Sede Electrónica
Die Agencia Estatal de Administración Tributaria (AEAT) ist Spaniens nationale Steuerbehörde, gegründet durch Gesetz 31/1990 und seit 1992 in Betrieb. Sie verwaltet alle staatlichen Steuern (IVA, IRPF, IS, IRNR) und betreibt die zentrale Sede Electrónica (sede.agenciatributaria.gob.es). SII-Meldungen, Modelo-303/390-Einreichungen und Verifactu-Zertifizierungen laufen alle über die Endpunkte der Sede Electrónica.
Qualifizierte digitale Zertifikate
Jede Interaktion mit der AEAT erfordert ein qualifiziertes digitales Zertifikat eines akkreditierten Vertrauensdiensteanbieters:
- FNMT-RCM — die spanische Königliche Münzanstalt, Ausstellerin des Certificado de Persona Física / Jurídica
- Cl@ve PIN / Cl@ve Permanente — staatliche Identität (nur Web, nicht für SII Machine-to-Machine)
- DNI electrónico — spanischer elektronischer Personalausweis, für Privatpersonen
- Private Vertrauensdiensteanbieter — Camerfirma, Firmaprofesional, eIDAS-konforme EU-Anbieter
Wichtige AEAT-Modelos für Marktplatzverkäufer
Die wichtigsten AEAT-Modelos, die mit SII und Marktplatzaktivitäten in Berührung kommen:
| Modelo | Zweck | Häufigkeit | SII-Interaktion |
|---|---|---|---|
| 303 | Vierteljährliche IVA-Selbstveranlagung | Vierteljährlich (oder monatlich bei REDEME / SII) | AEAT gleicht mit SII-Büchern ab |
| 390 | Jährliche IVA-Zusammenfassung | Jährlich (Januar) | Nicht erforderlich bei SII-Teilnahme |
| 347 | Jährliche Drittgeschäfte >3.005,06 € | Jährlich (Februar) | Nicht erforderlich bei SII-Teilnahme |
| 349 | Zusammenfassende Meldung innergemeinschaftlicher Umsätze | Monatlich oder vierteljährlich | Ergänzend zu SII intracomunitarias |
| 036 / 037 | Steuerregister — Unternehmenszensus | Bei Anmeldung / Änderungen | Dient dem freiwilligen SII-Beitritt |
| 369 (OSS) | One-Stop-Shop für innergemeinschaftliche Fernverkäufe | Vierteljährlich | Getrennt von SII |
🏛️ Lesen Sie den vollständigen AEAT-Integrationsleitfaden
FNMT-Zertifikatsanmeldung, Cl@ve-Einrichtung, Automatisierung der Modelos 303/390/347/349 und der SII-Abgleich-Leitfaden.
4. IVA-Sätze 2026 — 21 % / 10 % / 4 % / 0 %
Die vier Sätze im Detail
Die spanische IVA, geregelt durch das Gesetz 37/1992 del IVA und das RD 1624/1992, gilt mit vier Hauptsätzen auf dem spanischen Festland und den Balearen:
Ein Nullsatz von 0 % gilt für bestimmte Vorgänge und wurde im Rahmen der Inflationsmaßnahmen 2023-2024 nach dem RDL 20/2022 vorübergehend auf Grundnahrungsmittel (Olivenöl, Brot, Milch, Eier, Käse, Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte) ausgeweitet. Die meisten kehrten 2026 zum Satz von 4 % zurück, mit residualer Anwendung im Jahr 2026. Innergemeinschaftliche Ausfuhren, Ausfuhren außerhalb der EU und Umsätze mit Botschaften unterliegen dauerhaft dem Nullsatz von 0 %.
IVA-Sätze nach Region
Spaniens territoriale Mehrwertsteuerlandschaft ist innerhalb der EU einzigartig:
- Spanisches Festland + Balearen — IVA 21/10/4/0 %
- Kanarische Inseln — IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) mit einem allgemeinen Satz von 7 %, 3 % ermäßigt, Sondersätze von 0 % / 5 % / 9,5 % / 13,5 % / 15 % / 20 %
- Ceuta & Melilla — IPSI (Impuesto sobre la Producción, los Servicios y la Importación) — nach Kategorie variable Sätze
Marktplatzverkäufer, die auf die Kanarischen Inseln oder nach Ceuta/Melilla liefern, müssen statt der IVA die IGIC oder IPSI anwenden, mit separater Registrierung bei den jeweiligen regionalen Steuerbehörden (Agencia Tributaria Canaria, Consejería de Hacienda in Ceuta/Melilla).
IVA-Zuschlag Recargo de Equivalencia
Der Recargo de equivalencia ist eine besondere Vereinfachung für Einzelhändler, die Waren unverändert an Verbraucher weiterverkaufen. Der Lieferant berechnet zusätzlich zur IVA einen Aufschlag (5,2 % bei 21 %, 1,4 % bei 10 %, 0,5 % bei 4 %, 1,75 % bei Tabak). Der Einzelhändler reicht kein Modelo 303 ein — eine erhebliche Vereinfachung, die jedoch in der Regel nicht mit Marktplatzverkäuferprofilen kompatibel ist.
Die Satzzuordnung ist nicht trivial. Die Einstufung eines Produkts als 21 %, 10 % oder 4 % erfordert das zeilenweise Lesen von Anhang IV des Gesetzes 37/1992 — und Fehlklassifizierungen lösen requerimientos der AEAT aus. Zunapro liefert einen vorgefertigten Katalog mit über 12.000 spanischen CNAE-/EAN-Kategorien. Sehen Sie sich das IVA-Zuordnungsmodul an →
5. Verifactu — verpflichtende Zertifizierung der Rechnungssoftware ab 2026
Das Betrugsbekämpfungsgesetz und das RD 1007/2023
Verifactu ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das mit dem Königlichen Dekret 1007/2023 vom 5. Dezember eingerichtete Verifizierungssystem zur Umsetzung des Gesetzes 11/2021 (Betrugsbekämpfungsgesetz). Das Königliche Dekret legt strenge Anforderungen an jedes von spanischen Steuerpflichtigen genutzte SIF (Sistema Informático de Facturación) fest.
Technische Anforderungen von Verifactu
Jede konforme Rechnungssoftware muss mindestens Folgendes implementieren:
- Unveränderliche Aufzeichnungen — Rechnungen können nicht geändert oder gelöscht werden; Korrekturen erfolgen über Berichtigungsrechnungen, die über interne Referenzen verknüpft sind
- Verketteter Hashwert (huella) — jeder Datensatz verweist auf den SHA-256-Hashwert des vorherigen Datensatzes (manipulationssichere Kette)
- QR-Code auf jeder Rechnung — kodierte URL, die zur Verifizierung auf die AEAT verweist
- Vermerk „VERI*FACTU“ — gedruckt, wenn das System im überprüfbaren Modus arbeitet
- Ereignisprotokoll — Start, Herunterfahren, Wiederherstellung, Anomalien mit Zeitstempeln
- Optionale Echtzeitübermittlung — „VERI*FACTU-Modus“ (an die AEAT gesendet) oder „Nicht-VERI*FACTU-Modus“ (lokal für Prüfungen gespeichert)
Verpflichtende Termine für Verifactu
Der durch das Königliche Dekret 254/2026 und die Verordnung HAC/1177/2024 festgelegte Einführungszeitplan lautet:
- 29. Juli 2026 — Softwareanbieter mussten Verifactu-bereite Versionen veröffentlichen (Übergang: freiwillige Einführung zwischen dem 29. Juli 2026 und Ende 2026)
- 1. Januar 2026 — verpflichtend für körperschaftsteuerpflichtige Steuerpflichtige (Impuesto sobre Sociedades)
- 1. Juli 2026 — verpflichtend für IRPF-pflichtige (Selbstständige) und alle anderen Kategorien
- SII-Steuerpflichtige — von der Verifactu-Echtzeitübermittlung befreit, da SII dies bereits abdeckt, die Rechnungssoftware muss jedoch weiterhin Verifactu-zertifiziert sein
VERI*FACTU- vs. Nicht-VERI*FACTU-Modus
Der VERI*FACTU-Modus sendet Datensätze nach jeder Rechnung in Echtzeit an die AEAT; der Vermerk wird gedruckt, und Kunden können den QR-Code scannen, um direkt bei der AEAT zu verifizieren. Der Nicht-VERI*FACTU-Modus speichert Datensätze lokal mit dem verketteten Hashwert und dem Ereignisprotokoll; die AEAT kann jederzeit prüfen. Zunapro empfiehlt den VERI*FACTU-Modus als Standard — das Vertrauenssignal für Kunden ist erheblich, und das Prüfungsrisiko entfällt.
🔐 Lesen Sie den vollständigen Verifactu-Integrationsleitfaden
Schema der verketteten Hashwerte, QR-Code-Erzeugung, Checkliste für die Zertifizierungsprüfung und Zunapros vorzertifiziertes Verifactu-Modul.
6. Ley Crea y Crece — verpflichtende B2B-E-Rechnung ab 2026
Der Ursprung von Crea y Crece
Das am 28. September 2022 verabschiedete Gesetz 18/2022 zur Unternehmensgründung und -entwicklung hat einen breiteren Anwendungsbereich als die E-Rechnung — es umfasst Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit 1 € Stammkapital und Beschränkungen bei kommerziellen Zahlungsfristen. Doch sein Artikel 12 — „Factura electrónica entre empresarios y profesionales“ — ist die am meisten beachtete spanische digitale Mehrwertsteuermaßnahme des Jahrzehnts.
Artikel 12 legt den Grundsatz fest: Jede Rechnung zwischen spanischen Unternehmen und Selbstständigen muss in strukturiertem elektronischem Format ausgestellt werden, mit verpflichtenden Statusmitteilungen an den Aussteller zurück, wenn die Rechnung angenommen, abgelehnt oder bezahlt wird.
Der gestaffelte Einführungszeitplan
Das ausführende Königliche Dekret legt den Einführungszeitplan anhand der seit Inkrafttreten der technischen Regelung verstrichenen Zeit fest:
- +12 Monate — große Steuerpflichtige (Umsatz > 8 Mio. €) müssen E-Rechnungen ausstellen und empfangen
- +24 Monate — alle anderen Unternehmen und Selbstständigen müssen die Vorgaben erfüllen
- +36 Monate — vollständige Statusmitteilungspflicht (Annahme / Ablehnung / Zahlung)
Akzeptierte Formate und die öffentliche Lösung
Das Königliche Dekret öffnet den Rahmen für vier mit EN 16931 kompatible strukturierte Formate:
- Facturae 3.2.2 / 3.2.2.1 — spanisches nationales Format
- UBL 2.1 — OASIS-Standard, verbreitet in den nordischen Ländern
- CII 16B — UN/CEFACT Cross Industry Invoice
- EDIFACT — Legacy-EDI, für die Abwärtskompatibilität unterstützt
Es gibt zwei Wege: die „solución pública“ (kostenloser öffentlicher Hub der AEAT) und private „plataformas privadas acreditadas“. Alle privaten Plattformen müssen Rechnungen und Statusereignisse in Echtzeit an die öffentliche Lösung spiegeln.
Was Crea y Crece für Marktplatzverkäufer bedeutet
Jeder Verkäufer, der spanische Geschäftskunden in Rechnung stellt, muss ein konformes E-Rechnungsformat und einen entsprechenden Übermittlungsweg einführen. B2C-Bestellungen bleiben außerhalb von Crea y Crece — sie werden von Verifactu und SII abgedeckt. Verkäufer mit sowohl B2B- als auch B2C-Geschäft (Büromaterial, IT, Industrie, Dienstleistungen) benötigen einen Stack, der Facturae für B2B und Verifactu-gekennzeichnete vereinfachte Rechnungen für B2C erzeugt.
📑 Lesen Sie den vollständigen Crea-y-Crece-Integrationsleitfaden
Technische Regelung des Königlichen Dekrets, Format-Mapping (Facturae / UBL / CII), Routing über die öffentliche Lösung vs. private Plattform und der Ablauf der Statusmitteilungen.
7. RECC — Régimen Especial del Criterio de Caja für kleine Unternehmen
Die Mehrwertsteuer-Kassenregelung
RECC wurde durch das Gesetz 14/2013 zur Unterstützung von Unternehmern eingeführt, um die Liquidität von KMU zu erleichtern. Unter der Standard-IVA entsteht die Steuerschuld bei Rechnungsstellung — das heißt, Verkäufer müssen die Umsatzsteuer an die AEAT zahlen, auch wenn der Kunde noch nicht bezahlt hat. Unter RECC entsteht die Steuerschuld erst im Moment der Zahlung (criterio de caja).
Anspruchsberechtigung und Wahl
- Umsatzobergrenze — 2 Millionen € im vorangegangenen Kalenderjahr
- Wahl — über das Modelo 036/037 vor dem 31. Dezember des Vorjahres
- Maximale Verschiebung — Mehrwertsteuer fällig bei Zahlung ODER am 31. Dezember des auf die Ausstellung folgenden Jahres, je nachdem, was früher eintritt
- Verpflichtender Vermerk — „régimen especial del criterio de caja“ auf jeder Rechnung
Der Kompromiss und die SII-Interaktion
Der Haken ist symmetrisch: Kunden von RECC-Verkäufern können die Vorsteuer erst abziehen, sobald sie bezahlt haben, nicht bereits bei Rechnungserhalt — was RECC-Verkäufer für große B2B-Käufer etwas weniger attraktiv macht. RECC eignet sich tendenziell für B2C-lastige KMU. RECC-Nutzer müssen zudem zusätzliche SII-Daten übermitteln — das tatsächliche Zahlungsdatum —, was eine zweite Übermittlung pro Rechnung bedeutet. Zunapro automatisiert beide Übermittlungen und verfolgt Teilzahlungen für die anteilige Mehrwertsteuerentstehung.
8. IVA-Befreiungen und Sonderregelungen
Von der IVA befreite Umsätze
Artikel 20 des Gesetzes 37/1992 listet von der IVA befreite Umsätze auf (ohne Recht auf Vorsteuerabzug). Für Marktplatz- und Buchhaltungsplattformen am relevantesten:
- Bildungsdienstleistungen — formale Bildung, berufliche Weiterbildung, geregelter privater Nachhilfeunterricht
- Gesundheitsdienstleistungen — durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal; Krankenhausaufenthalt, ambulante Versorgung
- Finanzdienstleistungen — Kredite, Einlagen, Wertpapiere (mit Ausnahmen für Gebühren)
- Versicherungs- und Rückversicherungsgeschäfte
- Verkäufe gebrauchter Wohnimmobilien und Wohnraumvermietung
- Postdienste des Universaldienstanbieters; kulturelle / sportliche Angebote öffentlicher Stellen oder gemeinnütziger Organisationen
Nullbesteuerte Umsätze (mit Vorsteuerabzugsrecht)
Im Unterschied zu Befreiungen tragen nullbesteuerte Umsätze eine IVA von 0 %, erhalten aber das Vorsteuerabzugsrecht des Lieferanten — ein erheblicher Liquiditätsvorteil. Dazu gehören:
- Innergemeinschaftliche Lieferungen — Verkäufe an mehrwertsteuerlich registrierte Kunden in anderen EU-Mitgliedstaaten, gemeldet über Modelo 349
- Ausfuhren außerhalb der EU — begleitet von DUA-Zolldokumenten
- Verkäufe an diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen
- Bunkertreibstoffe und Luftfahrtversorgung
- Vorübergehender Nullsatz für Grundnahrungsmittel (Inflationsmaßnahmen 2023-2026, 2026 residual angewendet)
Mehrwertsteuer-Sonderregelungen
Neben RECC legt das Gesetz 37/1992 mehrere Sonderregelungen fest:
- REAGP — Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei
- Recargo de equivalencia — Einzelhändler, die Waren unverändert weiterverkaufen (mit den meisten Marktplätzen unvereinbar)
- Régimen simplificado — modulbasiert für sehr kleine Unternehmen
- REBU — Differenzbesteuerung für Gebrauchtwaren, Kunst, Antiquitäten, Sammlerstücke
- Reisebüros und Anlagegold-Regelungen
- OSS (Ventanilla Única) — Modelo 369 für innergemeinschaftliche Fernverkäufe · IOSS für Einfuhren < 150 €
9. Sanktionen — Artikel 200 LGT und Verifactu-Strafen
Der Rahmen des Allgemeinen Steuergesetzes
Steuerliche Sanktionen in Spanien werden durch das Gesetz 58/2003, General Tributaria (LGT), Artikel 191-206, geregelt. Für SII und E-Rechnung relevante Verstöße konzentrieren sich in den Artikeln 198-201 bis.
Artikel 200 LGT — SII-Sanktionen
Artikel 200 LGT ahndet Verstöße im Zusammenhang mit elektronischen Büchern und Registern:
- Verspätete Einreichung — 0,5 % des ausgelassenen Betrags, mind. 300 €, max. 6.000 € pro Quartal
- Fehlerhafte Daten — 1 % des ausgelassenen Betrags (mind. 150 €, max. 6.000 €)
- Vollständiges Weglassen einer Rechnung — fester Betrag von 150 € pro Rechnung, bis zu 1 % des Jahresumsatzes
- Nichtführung elektronischer Bücher — bis zu 1 % des jährlichen Bruttoumsatzes
Artikel 201 LGT — Sanktionen bei der Rechnungsstellung
Artikel 201 LGT betrifft Mängel bei der Rechnungsausstellung — fehlende Pflichtangaben, verspätete Ausstellung, Duplikate. Die Sanktionen reichen von 1 % des Vorgangsbetrags für formale Mängel bis zu 75-150 % des Betrags für Rechnungen, die ohne zugrunde liegende Vorgänge ausgestellt wurden (häufig mit Betrug verbunden).
Verifactu-spezifische Sanktionen (Artikel 201 bis LGT)
Das Betrugsbekämpfungsgesetz (Ley 11/2021) führte den Artikel 201 bis LGT ein, der die Herstellung, Vermarktung und Nutzung nicht konformer Rechnungssoftware ahndet:
- Herstellung / Vermarktung nicht konformer Software — feste Geldbuße von 150.000 € pro Steuerjahr und nicht konformem Programm
- Nutzung nicht konformer Software durch einen Steuerpflichtigen — feste Geldbuße von 50.000 € pro Steuerjahr
- Die Sanktionen kumulieren sich mit verwandten Verfahrenssanktionen (Artikel 200), wenn der Softwarefehler SII-Fehler verursacht
Ermäßigungen und Vergleiche
Artikel 188 LGT sieht ein großzügiges Ermäßigungssystem vor: 30 %, wenn der Steuerpflichtige die vorgeschlagene Veranlagung akzeptiert (conformidad), zuzüglich 40 % bei zügiger Zahlung innerhalb der freiwilligen Frist ohne Einspruch — zusammen kann die Gesamtermäßigung 58 % der ursprünglichen Sanktion erreichen.
Compliance ist 2026 keine Option mehr. Der automatisierte Abgleich der SII-Meldungen mit den Modelos 303 / 390 durch die AEAT löst innerhalb weniger Tage nach Erkennung requerimientos aus. Zunapro bündelt ein spanisches Compliance-Paket — automatisierte SII-Ausstellung, Verifactu-QR-Erzeugung, Facturae-Export und nach Artikel 200 LGT sichere Übermittlungsfenster — zusammen mit Marktplatz-Integrationen. Compliance-Paket ansehen →
10. So implementieren Sie spanische Mehrwertsteuer-Compliance — Schritt-für-Schritt 2026
1. Ihre SII-Pflicht bestimmen
- Verpflichtend, wenn der Umsatz im Vorjahr > 6.010.121,04 € betrug, oder bei REDEME-Mitgliedschaft oder Mehrwertsteuergruppe
- Freiwilliger Beitritt über Modelo 036 im November des Vorjahres — empfohlen für Volumen-E-Commerce-Verkäufer, die monatliche REDEME-Erstattungen anstreben
- Nicht erforderlich für Steuerpflichtige unterhalb der Schwelle — Verifactu gilt jedoch ab 2026 trotzdem
2. Qualifiziertes digitales Zertifikat beschaffen
Ohne ein qualifiziertes Zertifikat ist weder eine SII-Übermittlung noch eine Facturae-Signatur möglich. Die schnellsten Wege:
- FNMT Certificado de Persona Jurídica — Beantragung auf fnmt.es, persönliche Identifizierung in einer Hacienda-Filiale, Erhalt innerhalb von 24-48 Stunden
- Privater Vertrauensdiensteanbieter — Camerfirma, Firmaprofesional, eIDAS-kompatibel — häufig für EU-Unternehmen aus der Ferne ausstellbar
- Gültigkeit — in der Regel 2 Jahre, verlängerbar; die Software sollte den Ablauf überwachen und rechtzeitig vor Ablauf erneuern
3. Verifactu-zertifizierte Rechnungssoftware (verpflichtend ab Januar 2026)
Wählen Sie eine nach RD 1007/2023 zertifizierte Rechnungssoftware. Checkliste für die Zertifizierungsprüfung:
- Verkettete SHA-256-Hash-Datensätze überprüfbar; QR-Code auf jeder Rechnung mit gültiger AEAT-URL
- Vermerk „VERI*FACTU“ im Übermittlungsmodus gedruckt; Ereignisprotokoll mit zeitgestempelten Ereignissen
- „Declaración responsable“ des Anbieters vorliegend
4. SII-Integration (4-Tage-Fenster)
- SOAP-Endpunkte (Produktion / Präproduktion) konfigurieren und die vier Register übermitteln
- Den IVA-Satz jeder Rechnung, den Recargo-de-equivalencia-Zuschlag und ggf. das RECC-Kennzeichen zuordnen
- AEAT-Antwortcodes verarbeiten und quartalsweise mit Modelo 303 abgleichen
5. Facturae für B2G und künftig B2B
- Facturae-3.2.2-XML gemäß dem offiziellen XSD; Signatur XAdES-EPES / XAdES-T
- FACe-Upload über HTTPS-REST-API mit DIR3-Codes, zugeordnet pro Vergabestelle
- Abfrage von Statusaktualisierungen (registriert → validiert → verbucht → bezahlt) und Ablauf für Berichtigungsrechnungen
6. Verbindung über Zunapro (10-Minuten-Integration)
- Bei Zunapro anmelden und das spanische Buchhaltungsmodul öffnen
- Ihr FNMT-Digitalzertifikat hochladen (Format P12 / PFX)
- SII, Verifactu und Facturae aktivieren — jeweils per einzigem Schalter
- Ihren Hauptkatalog den IVA-Sätzen (21/10/4/0 %) zuordnen — Zunapro schlägt automatisch anhand vorgefertigter CNAE-Codes vor
- RECC konfigurieren, falls anspruchsberechtigt — Zunapro fügt den Vermerk automatisch hinzu
- Live schalten — die erste SII-Charge wird innerhalb von Minuten übermittelt; AEAT-Antwortcodes erscheinen in Echtzeit
Automatisieren Sie SII, Verifactu und Facturae in einem Panel
Echtzeit-SII an die AEAT innerhalb von 4 Tagen · Verifactu-zertifizierte Rechnungsstellung mit QR · Facturae-XML für FACe · Export von Modelo 303/390/347/349 · IVA 21/10/4/0 % automatisch zugeordnet — alles aus einem spanischen Buchhaltungs-Hub.
Spanische Compliance starten →Referenz zum spanischen Rechtsrahmen — LGT, Ley IVA, AEAT, Verifactu
Zentrale Rechtsinstrumente
- Ley 37/1992, del IVA (Ley IVA) — grundlegendes Mehrwertsteuergesetz; Sätze in Art. 90-91, Befreiungen Art. 20, RECC Art. 163 decies
- RD 1624/1992 — Durchführungsverordnung des IVA-Gesetzes
- Ley 58/2003, General Tributaria (LGT) — Allgemeines Steuergesetz; Sanktionen Art. 191-206 (und 201 bis Verifactu)
- RD 596/2016 + Orden HFP/417/2017 — Einrichtung des SII und technische Regelung (XSD, Fristen, Fehlercodes)
- Ley 25/2013, de impulso de la factura electrónica — Facturae verpflichtend für B2G
- Ley 11/2021 (Betrugsbekämpfung) + RD 1007/2023 + Orden HAC/1177/2024 — technische Regelung zu Verifactu / SIF
- Ley 18/2022 „Crea y Crece“ — Erweiterung der verpflichtenden B2B-E-Rechnung (Art. 12)
Regulierungsbehörden
- AEAT — operative Steuerbehörde; betreibt SII, Verifactu, Sede Electrónica
- Ministerio de Hacienda — erlässt Steuerpolitik und Königliche Dekrete
- Ministerio para la Transformación Digital — betreibt FACe und die öffentliche E-Rechnungslösung
- DGT (Dirección General de Tributos) — erlässt verbindliche „consultas vinculantes“ zum IVA-Gesetz
- TEAC / TEARs — verwaltungsrechtliche Steuerbeschwerden vor der gerichtlichen Überprüfung
- Agencia Tributaria Canaria + Haciendas Forales (Baskenland/Navarra — TicketBAI)
Vergleichstabelle SII / Facturae / Verifactu 2026 — auf einen Blick
Das nützlichste Hilfsmittel zur Auswahl einer spanischen Compliance-Architektur ist eine Gegenüberstellung der drei Säulen. Die folgende Tabelle fasst Pflicht, Anwendungsbereich und Fristen 2026 zusammen.
| System | Pflicht | Anwendungsbereich | Frist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|---|
| SII | Echtzeit-Mehrwertsteuerbücher an die AEAT | Große Steuerpflichtige, REDEME, Mehrwertsteuergruppen, freiwilliger Beitritt | 4 Kalendertage ab Rechnungs-/Buchungsdatum | RD 596/2016 · Orden HFP/417/2017 |
| Facturae B2G | Strukturierte XML-E-Rechnung an den öffentlichen Sektor | Alle Rechnungen an spanische öffentliche Verwaltungen | Immer (seit 2015) | Ley 25/2013 |
| Verifactu | Zertifizierung der Rechnungssoftware + QR + verketteter Hashwert | Alle Rechnungsaussteller in Spanien | 1. Jan. 2026 (Unternehmen) · 1. Jul. 2026 (Selbstständige) | Ley 11/2021 · RD 1007/2023 |
| Crea y Crece B2B | Strukturierte E-Rechnung zwischen Unternehmen | Alle B2B-Vorgänge zwischen spanischen Unternehmen / Selbstständigen | +12 Mon. (>8 Mio. €) · +24 Mon. (alle) | Ley 18/2022 Artikel 12 |
| RECC | Mehrwertsteuer-Sonderregelung nach dem Ist-Prinzip (optional) | Steuerpflichtige unter 2 Mio. € Umsatz, Opt-in über Modelo 036 | Wahl bis 31. Dez. des Vorjahres | Ley 14/2013 · Art. 163 decies Ley IVA |
| TicketBAI | Baskisches foral-rechtliches Äquivalent zu Verifactu | Steuerpflichtige in Bizkaia / Gipuzkoa / Álava | Bereits vollständig in Kraft (Einführung 2022-2024) | Foral-Normen 2020 (BI/GI/AL) |
Lesehilfe zur Tabelle: SII und Verifactu ergänzen sich — SII meldet die Daten, Verifactu zertifiziert die Software, die sie erzeugt. Facturae ist das zugrunde liegende Rechnungsformat; B2G ist bereits heute verpflichtend, B2B wird 2026-2027 im Rahmen von Crea y Crece verpflichtend. RECC ist eine parallele Ist-Besteuerungsoption, die sich mit der SII-Meldung überschneidet. TicketBAI in den baskischen Foralgebieten ist dem nationalen Verifactu voraus und nutzt ähnliche Prinzipien.
FAQ zu spanischer Mehrwertsteuer & SII 2026
Was ist SII und wer muss es 2026 in Spanien nutzen?
SII (Suministro Inmediato de Información) ist Spaniens nahezu in Echtzeit arbeitendes System zur Meldung der Mehrwertsteuerbücher, betrieben von der AEAT (Agencia Tributaria). Seit dem 1. Juli 2017 ist es verpflichtend für: große Unternehmen mit einem Umsatz über 6.010.121,04 €; im REDEME eingetragene Unternehmen (das monatliche Register für Mehrwertsteuererstattungen); Mehrwertsteuergruppen; sowie bestimmte öffentliche Verwaltungen.
Andere Unternehmen können durch Einreichung des Modelo 036 im November freiwillig teilnehmen. Ausgestellte und erhaltene Rechnungen müssen innerhalb von 4 Kalendertagen gemeldet werden (Samstage, Sonntage und Feiertage ausgenommen). Verstöße führen zu Sanktionen nach Artikel 200 LGT.
Wie unterscheidet sich Facturae von SII?
Facturae ist ein strukturiertes XML-Rechnungsformat (aktuell Version 3.2.2 / 3.2.2.1), das hauptsächlich für die verpflichtende elektronische Rechnungsstellung an öffentliche Verwaltungen (B2G) verwendet wird und über FACe (Punto General de Entrada de Facturas Electrónicas) geleitet wird.
SII ist kein Rechnungsformat — es ist der Meldekanal, über den die Daten ausgestellter und erhaltener Rechnungen an die AEAT übermittelt werden. Facturae = Format. SII = Echtzeitmeldung. Ab Januar 2026 erweitert das Crea-y-Crece-Gesetz die verpflichtende E-Rechnung schrittweise auf B2B-Transaktionen, wobei Facturae eines der akzeptierten strukturierten Formate ist.
Was ist Verifactu und ab wann ist es verpflichtend?
Verifactu ist das von der AEAT eingerichtete Verifizierungssystem gemäß Königlichem Dekret 1007/2023 und dem Betrugsbekämpfungsgesetz (Ley 11/2021). Jede von spanischen Steuerpflichtigen genutzte Rechnungssoftware muss strenge Anforderungen erfüllen: unveränderliche Aufzeichnungen, verkettete Hashwerte, QR-Codes auf jeder Rechnung und optionale Echtzeitübermittlung der Datensätze an die AEAT.
Der verpflichtende Termin für Unternehmen (Körperschaftsteuerpflichtige) ist der 1. Januar 2026; für Selbstständige und andere Einkommensteuerpflichtige der 1. Juli 2026. Softwareanbieter mussten bis zum 29. Juli 2026 Verifactu-bereit sein. Für Steuerpflichtige, die nicht konforme Software nutzen, gelten Sanktionen von bis zu 50.000 € pro Jahr.
Welche IVA-Sätze gelten 2026 in Spanien?
Spanien kennt vier Haupt-IVA-Sätze (Impuesto sobre el Valor Añadido): den Regelsatz von 21 %, den ermäßigten Satz von 10 % (Gastgewerbe, Transport, die meisten Lebensmittel), den stark ermäßigten Satz von 4 % (Brot, Milch, Bücher, Medikamente, Grundbedarfsgüter) und den Nullsatz von 0 % (bestimmte Grundnahrungsmittel im Rahmen der Inflationsmaßnahmen 2023-2024, innergemeinschaftliche Ausfuhren, Ausfuhren außerhalb der EU).
Die Kanarischen Inseln verwenden statt der IVA die IGIC (7 % allgemein), Ceuta und Melilla verwenden die IPSI. Für beide gelten separate Registrierungs- und Buchführungspflichten.
Betrifft das Crea-y-Crece-Gesetz Marktplatzverkäufer ab Januar 2026?
Ja. Das Gesetz 18/2022 „Crea y Crece“ macht die strukturierte elektronische Rechnungsstellung für alle B2B-Transaktionen zwischen spanischen Unternehmen und Selbstständigen verpflichtend. Die offizielle Einführung — abhängig von der endgültigen Veröffentlichung des Königlichen Dekrets und der technischen Regelung — erfolgt gestaffelt nach Umsatz: große Steuerpflichtige (Umsatz über 8 Millionen €) etwa 12 Monate nach Inkrafttreten des Königlichen Dekrets; alle anderen Unternehmen 24 Monate danach.
Marktplatzverkäufer, die Rechnungen an spanische Geschäftskunden ausstellen, müssen ein konformes E-Rechnungsformat (Facturae-XML, UBL 2.1, CII 16B oder ein akkreditiertes Äquivalent) verwenden und über die öffentliche Lösung oder eine private akkreditierte Plattform übermitteln.
Was ist RECC (Régimen Especial del Criterio de Caja)?
RECC ist die spanische Mehrwertsteuer-Sonderregelung nach dem Ist-Prinzip, verfügbar für Steuerpflichtige mit einem Jahresumsatz unter 2 Millionen €. Unter RECC entsteht die Mehrwertsteuerschuld erst im Moment der Zahlung (nicht bei Rechnungsstellung), was kleinen Unternehmen bei der Liquidität hilft.
Der Nachteil: Auch der Vorsteuerabzug der Kunden von RECC-Verkäufern wird bis zur Zahlung aufgeschoben. Die Wahl erfolgt durch formellen Antrag über das Modelo 036/037 bis zum 31. Dezember des Vorjahres; die Teilnahme wird auf jeder Rechnung mit dem Vermerk „régimen especial del criterio de caja“ angegeben.
Wie funktioniert SII technisch — welche Meldefrist gilt?
SII überträgt die Daten der Mehrwertsteuerbücher über SOAP-Webdienste an die AEAT. Die vier gemeldeten Register sind: ausgestellte Rechnungen (Libro Registro de Facturas Expedidas), erhaltene Rechnungen (Libro Registro de Facturas Recibidas), Investitionsgüter (Bienes de Inversión) und bestimmte innergemeinschaftliche Umsätze (Operaciones Intracomunitarias).
Frist: 4 Kalendertage ab Rechnungsstellung (8 Tage während der SII-Übergangsphase bis 2018, inzwischen einheitlich auf 4 Tage festgelegt). Samstage, Sonntage und nationale Feiertage zählen nicht mit. Verstöße führen zu Sanktionen nach Artikel 198-200 des Allgemeinen Steuergesetzes (LGT).
Welche Sanktionen gelten bei Nichteinhaltung von SII?
Artikel 200 LGT ahndet verspätete oder fehlerhafte SII-Meldungen mit 0,5 % des ausgelassenen Betrags, mindestens 300 € und höchstens 6.000 € pro Quartal bei verspäteter Einreichung. Vollständiges oder teilweises Weglassen von Rechnungsdaten sowie fehlerhafte Meldungen ziehen proportionale Sanktionen nach sich.
Nichteinhaltung von Verifactu (nicht zertifizierte Software) wird mit Geldbußen bis zu 50.000 € pro Jahr und nicht konformem Programm geahndet, sowie 150.000 € pro Jahr für Softwareanbieter, die nicht konforme Tools vermarkten (Artikel 201 bis LGT). Die AEAT gleicht SII-Meldungen automatisch mit den Erklärungen Modelo 303 / 390 ab, um Unstimmigkeiten zu erkennen.
Welche Rechnungen sind von der Facturae-B2G-Pflicht befreit?
Das ursprüngliche Gesetz 25/2013 schrieb Facturae für alle B2G-Rechnungen über 5.000 € an öffentliche Verwaltungen vor; in der Praxis verlangen die meisten Ministerien es für jeden Betrag. Ausnahmen bestehen weiterhin für Rechnungen ausländischer Lieferanten ohne steuerliche Präsenz in Spanien, bestimmte Vorgänge der nationalen Sicherheit und Kleinbeträge, für die die Vergabestelle eine ausdrückliche Befreiung vorsieht (selten).
Die Crea-y-Crece-Erweiterung auf B2B wird ähnliche Ausnahmen für nicht-spanische Lieferanten und für Transaktionen unterhalb der im ausführenden Königlichen Dekret festgelegten Schwellenwerte enthalten.
Was ist FACe und wie sende ich Facturae-Rechnungen an öffentliche Verwaltungen?
FACe (Punto General de Entrada de Facturas Electrónicas de la Administración General del Estado) ist der zentrale elektronische Eingangspunkt für Rechnungen an den spanischen öffentlichen Sektor. Lieferanten laden Facturae-XML-Dateien hoch, die mit einem qualifizierten digitalen Zertifikat signiert sind (XAdES-Signatur). Jede Rechnung wird über DIR3-Codes geleitet, die die Zieleinheit, das Buchhaltungsamt und die verarbeitende Stelle identifizieren.
Statusaktualisierungen — registriert, validiert, verbucht, bezahlt, abgelehnt — werden über die Weboberfläche oder die HTTPS-REST-API von FACe zurückgemeldet. Regionale Verwaltungen verfügen über Äquivalente (e-FACT in Katalonien, FACeB2B für die B2B-Integration mit Lieferanten des öffentlichen Sektors).
Können ausländische Verkäufer SII und Verifactu aus der Ferne einhalten?
Ja. Ausländische Verkäufer, die in Spanien mehrwertsteuerlich registriert sind (oder eine Betriebsstätte haben), müssen SII einhalten, wenn sie die verpflichtenden Schwellenwerte erreichen. Die Verifactu-Anforderungen gelten für jede Rechnungssoftware, die zur Ausstellung von Rechnungen für spanische Mehrwertsteuervorgänge verwendet wird, unabhängig vom Standort des Ausstellers.
Ausländische Verkäufer nutzen in der Regel akkreditierte spanische Rechnungsplattformen oder internationale ERP-Systeme mit zertifizierten spanischen Modulen. Ein qualifiziertes digitales Zertifikat (FNMT oder ein akkreditierter Vertrauensdiensteanbieter) ist erforderlich, um SII-Meldungen und Facturae-Rechnungen zu signieren — die meisten eIDAS-kompatiblen EU-Zertifikate werden akzeptiert.
Wie automatisiert Zunapro SII, Facturae und Verifactu für Verkäufer?
Das spanische Compliance-Modul von Zunapro stellt Verifactu-konforme Rechnungen aus, sobald eine Marktplatzbestellung eingeht, generiert automatisch den QR-Code und den verketteten Hashwert, übermittelt die vier SII-Registereinträge innerhalb des 4-Tage-Fensters an die AEAT und erzeugt Facturae-XML für B2G-Transaktionen, die über FACe geleitet werden.
Die Multi-Tenant-Architektur unterstützt sowohl die IVA auf dem Festland als auch die IGIC der Kanarischen Inseln. Antwortcodes der AEAT werden in Echtzeit bei der jeweiligen Bestellung gespeichert, und der Abgleich der Register mit den vierteljährlichen Modelo-303-Erklärungen läuft kontinuierlich, wobei etwaige Abweichungen erkannt werden, bevor die AEAT ein requerimiento ausstellt.
Benötige ich ein spanisches Unternehmen, um in Spanien mehrwertsteuerkonform zu sein?
Nein — die meisten Mehrwertsteuerpflichten gelten für jeden Steuerpflichtigen mit spanischen Mehrwertsteuervorgängen, unabhängig davon, wo der Verkäufer ansässig ist. Ausländische EU-Verkäufer können sich direkt bei der AEAT für die spanische Mehrwertsteuer registrieren und Modelo 303 / SII einreichen, ohne ein spanisches Unternehmen zu gründen.
Verkäufer außerhalb der EU ernennen in der Regel einen spanischen representante fiscal (Steuervertreter) — erforderlich für die SII-Konformität — oder gründen eine spanische Tochtergesellschaft oder Betriebsstätte. Sobald die Crea-y-Crece-B2B-Pflicht vollständig in Kraft ist, müssen Nicht-EU-Verkäufer, die spanische Kunden in Rechnung stellen, entweder über eine akkreditierte Plattform abrechnen oder eine spanische Präsenz registrieren.
Was ist TicketBAI und wie verhält es sich zu Verifactu?
TicketBAI ist das Betrugsbekämpfungs-Rechnungssystem des Baskenlands, in Bizkaia, Gipuzkoa und Álava seit der Einführung 2022-2024 in Betrieb. Es besteht bereits vor dem nationalen Verifactu und teilt ähnliche Prinzipien: verkettete Hash-Datensätze, QR-Code auf jeder Rechnung, Echtzeit- oder Stapelübermittlung an die foral-rechtliche Hacienda.
Steuerpflichtige in den baskischen Foralgebieten bleiben unter TicketBAI statt unter Verifactu (die beiden Systeme überschneiden sich für denselben Steuerpflichtigen nicht). Softwareplattformen, die spanienweit tätig sind, müssen beide implementieren — das spanische Modul von Zunapro liefert beide Engines und leitet je nach Sitz des Steuerpflichtigen weiter.
Starten Sie die spanische Mehrwertsteuer-Compliance — SII + Verifactu + Facturae in 10 Minuten
Echtzeit-SII an die AEAT · Verifactu-zertifizierte Rechnungsstellung mit verkettetem Hashwert + QR · Facturae-XML für FACe · automatische Zuordnung IVA 21/10/4/0 % · Export von Modelo 303/390/347/349 · RECC-Unterstützung — ein spanischer Compliance-Hub, keine Demo erforderlich.
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